It paynes me

Ein Brief an Max

Veröffentlicht: 25.06.2012 | von: earlmobileh | Rubrik: Blog

Lieber Max,

wir haben uns seit unserem Kennenlernen vor rund einer Dekade ja nun eine ganze Weile nicht mehr gesehen. Als Du dann vor einem Monat wieder aufgetaucht bist, habe ich mich eigentlich riesig gefreut. Aber, hmm, hast Du ja vielleicht auch gemerkt: Irgendwie haben wir etwas von dem wortlosen Verständnis zwischen uns verloren. Das ist schade, denn ich hatte immer das Gefühl, dass wir eine gute Verbindung hatten. Klar, Du hast auch damals wie ein Loch gesoffen und bist mit Deiner vernebelten Birne gerne mal einen Schritt weiter gelaufen, als mir lieb gewesen wäre. Aber damals warst Du Dir in deiner Draufgängerart und Ehrlichkeit immerhin selbst treu, heute hingegen weiß ich nicht, ob Du an Delirium tremens leidest, der Zeitgeist schuld ist oder ich den schwarzen Peter Deinen neuen Rockstar-Freunden zuschieben muss.

Natürlich verändert sich jeder nach einem so langen Zeitraum – es ist nur einfach so, dass Du mal ein wirklich interessanter Charakter warst und ich mich gefreut hätte, wenn Dein Selbstbewusstsein ausgereicht hätte, Dir letzteren zu bewahren. Vielleicht weißt Du ja gar nicht, was ich meine, deswegen versuche ich einmal es anhand zweier Beispiele zu erklären. Bitte verstehe das nicht falsch, ich teile Dir das nicht mit, um Dich niederzumachen, sondern weil ich hoffe, dass wir das noch reparieren können.

Zum einen mochte ich es früher wirklich gerne, wenn Du Dich allen Widrigkeiten zum Trotz einfach kompromisslos in Räume voller Gegner gestürzt hast. Es war immer eine wahre Freude Dir dabei zuzuschauen, wie Du mit angestrengtem Gesichtsausdruck (Straight outta the Uncanny Valley) akrobatisch durch die Luft flogst und Deine Umwelt offensiv mit Blei durchsiebt hast. Klar, das machst Du auch heute noch gelegentlich, aber eben nur da wo Deine Rockstar-Freunde das zulassen.

Allzu oft zerrt der schlechte Umgang Dich aber auf offene Flächen, da siehst Du dann etwas verloren – ja sogar fast komisch aus, denn dein Bullet-Time Kampfstil funktioniert eigentlich nur in etwas engeren Räumen. Du hast Dir deshalb etwas Neues bei Deinen Gunslinger-Kollegen abgeschaut, Du nimmst einfach per Knopfdruck Deckung hinter halbhohen Wänden.

Du denkst wohl: „Die Anderen machen das ja auch, passt schon.“ Aber da liegst Du falsch! Erstens waren die anderen schon immer feiger als Du, zweitens kommen die Gegner Deiner Kollegen seltener auf die Idee, ihr Ziel mal zu flankieren und drittens ist das einfach nicht Dein Stil. Fällt Dir gar nicht auf, dass Bullet-Time und gelangweilt hinter praktischerweise platzierten Objekten hocken, sich eigentlich schon prinzipiell widersprechen? Zu allem Überfluss macht sich Dein Suff dabei erst so richtig bemerkbar, denn – ich hatte es ja oben schon angedeutet – Du läufst gerne mal einen Schritt weiter als ich will und stellst Dich dann versehentlich mitten in die Schusslinie oder nimmst die Deckung auf der falschen Seite der Wand.

Also ich finde Du solltest dir das nochmal überlegen. Ich verstehe ja, dass Du auf offenen Feldern keine andere Wahl hast, aber warum gehst Du dann überhaupt da hin? Wenn du in engen Bürogebäuden oder verwinkelten Gassen unterwegs bist, macht Deine Gesellschaft nämlich sofort wieder richtig Spaß, da fühlst Du Dich wieder schnell und actionreich an, da bist Du Dir treu.

Ach ja… „Warum gehst Du überhaupt da hin?“ – Die Frage bringt mich zur zweiten Sache, aus der ich nicht so ganz schlau geworden bin. Früher fand ich Deine Handlungen zwar gelegentlich etwas harsch, aber ich konnte zumindest immer nachvollziehen was Dich antreibt. Heute hingegen ist mir irgendwie gar nichts mehr klar. Warum arbeitest Du für diese Leute? Warum sind die Dir wichtig? – Mir zumindest sind sie nach der unsympathischen Charakterisierung vollkommen egal. Ich denke Du hasst die auch?! Auf einmal doch nicht? Hä?

(Spoiler) Und dann kommt der große Twist, die haben Dich nur benutzt. Und Du hast es nicht bemerkt. „I was the stooge, the bad joke that everybody got but me.” – Mach Dir nichts daraus, ich habe es auch nicht verstanden. Diese Familie hat Dich engagiert ihr Bodyguard zu sein, will Dich dann aber tot sehen, hat Dich verarscht, hätte Dich zwar an vielen Stellen töten können, hat es aber nicht getan. Du warst eine Einmannarmee, aber wozu jetzt genau? Hä? Srsly, ich habe überhaupt nicht nachvollziehen können, was die Leute da machen, geschweige denn was sie antreibt.

Eigentlich ist es fast ein Kunststück, so ein inkohärentes Stück Story hinzukriegen. Besonders traurig macht mich das, weil Dir das Aufbauen von Atmosphäre paradoxerweise trotzdem gelingt. Wie machst Du das? Man denkt sich „So ein Mumpitz.“ und genießt das Ganze trotzdem. Es ist einfach so, dass Du da Dein Potential  ein stückweit verschenkt hast, das hätte groß werden können, jetzt ist es nur knapp überdurchschnittlich.

Also lieber Max, ich mache mal einen Punkt und lasse das erst mal sacken. Du bist eigentlich ein ganz guter Typ, das merkt man selbst jetzt noch, aber konzentriere Dich doch mal wieder auf das, was Dich auszeichnet. Schnelle Action, coole Atmosphäre und eine interessante Noir-Geschichte. So halb weißt Du ja noch, worauf es ankommt, zieh das halt einfach mal wieder richtig durch. Ansonsten gehen wir wohl in Zukunft getrennte Wege, das kannst Du zwar sicherlich verkraften, aber schade wäre es schon, oder nicht?

Grüße,

earlmobileh